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Julius Riemer - Ein Leben für die Wissenschaft

Die Texte konnten mit freundlicher Genehmigung der Lutherstadt Wittenberg den Schautafeln zum Leben Julius Riemers im nun geschlossenen Museum entnommen werden.

Mit einem Hundeschädel fing es an....

Als Neunjähriger hatte die Sammelleidenschaft von Julius Riemer, 1880 in Berlin als Sohn eines Handschuhfakrikanten geboren, begonnen.

Dabei unterstützte ihn der Gärtner, der den großen Garten der Eltern in Berlin-Weißensee betreute. Er führte ihn an Naturbeobachtungen heran und weckte in ihm das Interesse an der Natur.

Es war der Schädel seines Lieblingshundes Nero, der den Grundstock der heutigen Sammlung "Julius Riemer" bildete.
Der Neunjährige grub den verstorbenen Hund nachts aus, kochte den Schädel in einem Topf ab und präparierte ihn danach.

Gemeinsam mit seinem Vater besuchte er im Jahr 1890 das Naturkundemuseum und andere große Museen von Berlin. Davon tief beeindruckt, machte er sich zum Ziel sich einmal ein Museum zu schaffen.

Eine Sammlung entsteht

Riemers Interesse lag anfangs im Sammeln von heimischen und exotischen Tieren, Pflanzen und Mineralien.

Er lernte die Präparate richtig zu behandeln. Bald hatte er eine kleine Sammlung zusammengebracht, die aus Steinen, Schmetterlingen, Insekten und gepressten Pflanzen bestand.

Von seinem Onkel, der erkannte, dass er sein Sammlerhobby ernsthaft betrieb, erhielt er einen Sammlungsschrank in dem er später seine Schädelsammlung aufbewahrte.

Sein Taschengeld steckte er in seine Sammlung und konnte so mit 14 Jahren 30 präparierte Vögel sein Eigen nennen.

Beruf und Hobby

Um 1898, nach Abschluss seiner Schul- und Ausbildungszeit, trat er als Kaufmann in die Lederhandschuhfabrik des Vaters ein.

Nach dem Tode des Vaters leitete er gemeinsam mit seinem Bruder das Unternehmen. Trotz seines Berufes blieb die Begeisterung für sein Hobby erhalten. Auf seinen berufsbedingten Reisen durch Deutschland und Europa knüpfte er persönliche Kontakte zu Fachwissenschaftlern, Museen und Sammlern, von denen er so manchen Sammeltipp aber auch Hilfe bei der wissenschaftlichen Bestimmung der Exponate erhielt.

Er opferte Zeit und Geld und baute eine Sammlung auf, die unter den Wissenschaftlern in ganz Deutschland bekannt war.

Er war in über 20 wissenschaftlichen Gesellschaften und Vereinen Mitglied.

Die Sammlung wächst

Ab den zwanziger Jahren dehnte Julius Riemer seine Sammeltätigkeit auf die Paläontologie und die Völkerkunde aus.

Julius Riemer erweiterte seinen Bestand nicht nur durch Ankäufe von einschlägigen Händlern. Mehrfach wuchs dieser sprunghaft an, wenn er aus einem Nachlass eine geschlossene völkerkundliche Sammlung erwerben konnte.

Ganze völkerkundliche und zoologische Kollektionen erhielt er von jungen Wissenschaftlern, die er bei ihren Feldforschungen finanziell unterstützte.

Umzug nach Sieversdorf

Seit Ende der zwanziger Jahre hatte Julius Riemer in Sieversdorf ein Jagdrevier. Mit Ausbruch des Krieges entschied er sich 1940 in dem Ort ein Haus zu kaufen. Nach den schweren Bombardierungen Berlins begann er einen Teil seiner Sammlungen nach Sieversdorf auszulagern. Die Sammlung umfasste nunmehr 45.000 katalogisierte Exponate.

1943 zog er ganz nach Sieversdorf.

Im 2. Weltkrieg wurde trotz Auslagerung seiner Sammlungen in verschiedene Orte zu Verwandten und Bekannten etwa ein Drittel des Bestandes vernichtet. Sein Berliner Wohnhaus, in dem sich noch große Teile seiner Sammlung befanden, wurde bei einem Bombenangriff im Februar 1944 zerstört.

Neubeginn in Wittenberg

Obwohl ein Drittel seiner Sammlung vernichtet war, verfolgte Julius Riemer weiterhin mit großem Mut sein Ziel seine Sammlung der breiten öffentlichkeit in einem Museum zu präsentieren.

Auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten wurde er auf das Wittenberer Schloss aufmerksam gemacht. Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung hatte Erfolg.
Im Schloss, in dem zu der Zeit auch Umsiedler untergebracht waren, überließ ihm die Stadt einige Räume.

Bereits Ende des Jahres 1947 fuhr der erste Autolastzug vor dem Wittenberger Schloss vor. Weitere 7 Lastzüge und zwei Eisenbahnwaggons brachten 1948 den Rest der Sammlung.

Dieses Jahr brachte noch eine weitere Veränderung im Leben von Julius Riemer: er heiratete Charlotte Mathieu.
In ihr fand er eine gleichgesinnte Partnerin, die sein Vorhaben tatkräftig unterstützte.

Ein Museum entsteht

Bedingt durch die Auslagerung und den Transport wurde die Sammlung teilweise stark beschädigt.

Sofort begann man mit der umfangreichen Reinigung und dem Ordnen der Exponate. Im Anschluss daran lag es vorrangig in den Händen von Frau Riemer, unterstützt durch zahlreiche Museen und Fachinstitute, die Bestimmung der Exponate vorzunehmen.

Julius und Charlotte RiemerJulius und Charlotte Riemer nach dem Einzug in das Schloss Wittenberg beim Katalogisieren der Sammlung noch im kleinsten Raum und großer Enge 1948. Foto: Privatarchiv

Der Ehrgeiz des Ehepaare Riemer machte es möglich, dass bereits 1949 der erste kleine Schauraum und bald ein weiterer provisorisch eingerichteter Schauraum eröffnet werden konnten. Der erste Raum präsentierte dem Museeumsbesucher einen bunten Einblick in die Vielfältigkeit der naturwissenschaftlichen und völkerkundlichen Sammlungen.

Während die noch im Schloss untergebrachzten Umsiedler nach und nach neuen Wohnraum zugewiesen bekamen, wurden die nun leerstehenden Räume von der Stadt miet- und stromkostenfrei dem Museeum zur Verfügung gestellt.

BriefDer Brief eines damals 14-jährigen zeigt einerseits die Schwierigkeit, zu damaliger Zeit selbst einfache Materialien und Mittel zu beschaffen, andererseits das große Interesse der Jugendlichen am Riemer-Museum.

Trotz geringer Mittel, das Ehepaar Riemer lebte nur von den Eintrittsgeldern, konnten im Jahr 1951 weitere Räume gezeigt werden.
Da die Exponate in alten Sammlungsschränken präsentiert wurden, glichen die Ausstellungsräume eher Schaumagazinen.

Im Jahre 1953 schloss Julius Riemer mit der Stadt Wittenberg einen Vertrag. Damit stellte er seine Sammlung teilweise für Ausstellungszwecke in einem städtischen , naturkundlichen und völkerkundlichen Museum, zur Verfügung. Die Stadt übernahm nun die Finanzierung der Ausstellungen und die Pflege der Exponate. Sie stellte Julius Riemer als Museumsleiter und seine Frau als Stellvertreterin ein.

Ende eines Sammlerlebens

Mit dem Etat, der nun zur Verfügung stand, konnte unter Anleitung von Fachstellen der Aufbau von thematischen Schauräumen beginnen. Dieser Aufbau lag vorrangig in den Händen von Charlotte Riemer und einem technischen Assistenten, der inzwischen eingestellt worden war.

Julius Riemer kümmerte sich während dieser Zeit weiter um die Sammlung. Regelmäßig führte er durch die Einrichtung. Durch seine spannenden Erzählungen zog er die Zuhörer in seinen Bann. Kinder und Jugendliche konnte er durch unzählige Veranstaltungen für die Natur begeistern.

Im Jahre 1957 begann die Umgestaltung des Geweihraumes. Es ist der einzige Ausstellungsraum, der heute noch so aussieht, wie ihn Julius Riemer bei der Eröffnung erlebte.
Am 17. November 1958 erlag Julius Riemer einem Herzanfall.
Er war bis zum letzten Tag im Museum tätig. Nach seinem Ableben führte seine Frau das Museum weiter.

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